Freitag, 26. Juni 2015

Feministischer Freitag: Die Sache mit dem Heiraten

Ich bein kein Hochzeits-Fan bin. Ich gehe gerne auf Hochzeiten, denn ich mag gute Partys und das sind Hochzeiten eben oft - aber auch aufgrund genau der Dinge, die mich an Hochzeiten verstören: die Gedanken und das Geld, was dabei drauf geht. Ich verstehe nicht die Freude daran, sich gedanklich und finanziell so auf einen einzigen Tag zu versteifen. Aber noch mehr verwirrt mich das Konzept Ehe. Wieso wird eine Beziehung plötzlich als irgendwie echter gesehen, weil ich einen Zettel unterschreibe, dem Staat versichere, dass ich jetzt eine "Familie" bin und dann ein teures Fest nach relativ genau gesellschaftlich festgelegtem Muster gebe? Ich habe schon jede Menge Argumente gegen meine Sichtweise gehört: die Verantwortung, die man übernimmt (aber verpflichten gemeinsame Kinder nicht viel mehr? Von Elternschaft kann man sich immerhin nicht scheiden lassen), die rechtliche Versicherung (aber könnte man nicht auch einfach so einen Vertrag untereinander abschließen?), sich vor anderen Leuten seiner Liebe versichern (aber ist es nicht viel wichtiger, dass sich der Partner dessen bewusst ist, als alle anderen?)... Gegen alles gibt es auch wieder Gegenargumente und ich habe schon lange Diskussionen darüber geführt. Und es ist mir nicht selten passiert, dass ich daraufhin meine selbstständige Denkfähigkeit ("Aber wenn er fragen würde, würdest du auch 'Ja' sagen...") und/oder meine Beziehung in Frage stellen lassen musste ("Ach, wenn der Richtige kommt, wirst du das schon noch anders sehen!" oder "Aber glaubst du denn nicht, dass er der Mann deines Lebens ist?").
Und das finde ich das eigentlich Verkorkste! Sobald man (als Frau) nicht Heiraten will, glauben viele Leute, sich deswegen ein Urteil erlauben zu dürfen. Und das Urteil ist oft aus ganz schön antiquitierten Rollenbildern gespeist und dem offenbar tiefsitzenden Glauben, dass jede Frau insgeheim "unter die Haube" kommen will und zwar am Besten mit Prinzessinnenkleid, High Heels und viel viel Aufwand. Und wenn sie behauptet, dass sie das nicht will, tja, dann muss sie wohl lügen, weil sie nicht zugeben will, dass sie noch nicht gefragt wurde (zum Beispiel weil der Mann nicht will, was irgendwie akzeptabler zu sein scheint) oder aber irgendetwas in ihrer Beziehung nicht stimmt. Diese urteilenden Nachfrage sind übergriffig, degradierend und schlichtweg unnötig.
Nein, nicht jede Frau träumt heimlich von ihrer Märchenhochzeit. Und nein, deswegen muss nicht irgendwas falsch sein. Das ist völlig okay. Einen großartigen Artikel mit vielen guten Gründen nicht heiraten zu wollen gibt es übrigens hier: Warum du niemals heiraten solltest.


Und noch einmal um das klarzustellen: ich habe nichts dagegen, wenn Leute wirklich unbedingt heiraten wollen und dafür gute Gründe haben. Ich bin nur der Meinung, dass es wenig wirklich gute Gründe und wirklich wenig persönliche, individuelle Hochzeiten gibt. Jeder sollte sich gut überlegen, ob die eigenen Gründe wirklich eigen sind oder nur den Erwartungen folgen und dem, "was man eben so macht". Und vor allem sollte damit eine Akzeptanz einhergehen, dafür, dass es eben eine freie, persönliche Entscheidung ist und - zumindest heutzutage - nicht als Selbstverständlichkeit gilt.

Kommentare:

  1. feministischer freitag. ich bin ein wenig spät dran, aber danke, dass du das geschrieben hast, was ich selbst zum eintrag verhackstücken wollte. wunderbar hast du das gemacht! dankesehr! ich nehme dann das andere thema :D
    liebst,
    jule*

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    1. Haha, ja, ich wollte dir keine Themen weg nehmen. Und manche Dinge kann man ja auch nicht oft genug sagen/schreiben... Und danke dir für das positive Feedback!

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  2. Große Hochzeiten mag ich auch nicht deswegen habe ich meinen Mann wirklich nur im kleinen Kreis geheiratet. Also nur er und ich und gefeiert haben wie bei einem leckeren Backfischbrötchen.

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  3. Haha, diese Diskussionen hatte ich auch schon häufiger. Gut auch das Argument "aber wenn ihr doch Kinder wollt, könnt ihr doch auch gleich heiraten". Vielleicht heirate ich irgendwann, weil ich nämlich tolle Partys auch sehr mag, aber vielleicht auch einfach nicht. ;)
    Ein tolles Totschlagargument meinerseits ist übrigens: "Ich bin Scheidungskind und glaube nicht mehr an das Konzept der Ehe." ;p

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    1. Haha, ja, so ähnlich geht es mir auch. Meine Eltern waren lange zusammen und danach lange verheiratet. Und dann kam halt doch der Punkt, wo's nicht mehr geklappt hat. Das kann man nie wissen und heiraten ist da auch keine Garantie für irgendwas.

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